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Altpaläolithikum !?
Geologie, "Art"

Meine Werke finden Sie links unter Geologie/Art (runterscrollen)


Die Vermutung einer weit früheren Begehung durch archaische Menschenformen nördlich der Alpen scheint mehr und mehr früher ansetzbar zu sein (1,05 Mio Jahre)...


Natur und Kultur III  (Acryl auf Leinwand 3 x 40 x 40 cm).


"Nichts gegen den Irrtum, der in seiner gezügelten Form als Arbeitshypothese der eifrigste Diener der wissenschaftlichen Wahrheit ist,

die ja selbst nur als jener Irrtum definiert werden kann, der am besten den Weg zum nächst kleineren erschließt!"

Konrad Lorenz


 

Ich verstehe mittlerweile meine Seite als Arbeitsgrundlage und Lernplattform. Vermutungen werden erörtert, untermauert oder gegebenenfalls auch gekippt. Mein Sichtfeld und meine Betrachtungsweisen haben sich mittels der geradzu erzwungenen Ordnungsversuche in Bezug auf eine Typologiegliederung welches gleichsam ein schier unlösbares Problem darstellt, drastisch verändert und erweitert. Für die vielfach erfolgte Unterstützung, Kritik und Anregung danke ich hiermit den entsprechenden namentlich hier nicht genannten Personen recht herzlichst.


Themenbezogene Links finden Sie am Ende jeder Seite oder zum entsprechenden Themenbereich beigefügt, ein Pfeil am Seitenende (rechts unten) bringt Sie zum Seitenanfang zurück.

Faustkeil und Spitze vom Schlagplatz auf der Fränkischen Alb bei Kelheim. Das Ausgangsmaterial Quarzit (Alemonit) bildet die Grundlage für die Überlegungen in der Rubrik Altpaläolithikum. Hell in einer überwiegend mittelpaläolithischen Zeitstellung erscheinen ältestpaläolithische, mögliche Artefakte durchgängig dunkelbraun patiniert. Die folgenden aus einer lokalen Hornsteinvariante gefertigten Gerätschaften bilden in ihrer farblichen Erscheinung materialbedingt eine Ausnahme.


Spätacheuléen 180 000 - 120 000 Jahre vor heute,   Mittelacheuléen 250 000 - 180 000 J.v.h., Altacheuléen                600 000 - 250 000 J.v.h, Protoacheuléen 600 000 - 1,2 Mio. Jahre und die Geröllgeräte Industrie mit ca. 1 - 2 Mio Jahren (in Afrika).     Links zeigt sich die Eiszeit bzw. Komplex-Gliederung. X im blauen Bereich kennzeichnet das Mittel- Jungacheuléen, kleines x = spätes Mittelpaläolithikum, im roten Bereich der zu vermutende Geröllgeräte/Protoacheuléen - Komplex.


Neufund des Monats Juni 2011
"Faustkeil" aus Quarzit (9,5 cm).


HanDer Keil zeigt eine geschrägte, basale Handhalte und eine gestumpfte der Schneide gegenüberliegende Seite zur Fingerablage.


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Alt-  und mittelpaläolithische Artefakte eines bekannten (E. Rutte)  Schlagplatzes auf der Fränkischen Alb bei Kelheim.

Nach etwa 7 Jahren der Begehung konnte ein Inventar, deutlich älteren Charakters erstellt werden. Die Funde verweisen in ein ausgeprägtes älteres Acheuléen (Protoacheuléen). Die vermutlich ältest acheuleenzeitlichen Funde erscheinen in bräunlich patiniertem Quarzit in teilweise erheblich verrundeter Formgebung. Typologisch hebt sich der "echte" Geröllgerätekomplex wesentlich vom restlichen Material ab.

Es liegen Protobiface, Chopper, Diskoide, Pic´s, Polyeder etc vor, welche auf der nächsten Seite (Altpaläolithikum) vorgestellt werden und teilweise mit Geröllen jüngerer Zeitstellung erscheinen. Das Erscheinungsbild der Geröllgeräte erscheint jedoch extrem einzigartig und bildet eine eigenständige Gerätefazies die sich in Serien zusammenfassen lassen. Die Startseite spiegelt eine Auswahl spämittelpaläolithischer und event. altpaläolithischer (überwiegend Kreidehornstein) Artefakte wieder, welche im Verbund mit dem augenscheinlich älteren Material aufzufinden sind. In der Rubrik Altpaläolithikum werden die von mir angenommenen (überwiegend Quarzitgerölle) Artefakte vorgestellt.  Unter Geologie finden Sie eine Einführung zu den lokalen geologischen Gegebenheiten in Bezug auf Rohmaterialien und Lebensraum. Die Artefakte entstammen einer Fundfläche wobei die Hornsteingeräte mit den helleren Quarzitartefakten und die dunkel patinierten Geröllgeräte einer vermutet älteren Zeitstellung Zentren bilden, welche jeweils schwächer werdende Fundniederschläge im angrenzenden Bereich aufzeigen (Schnittmenge). Partielle, lokale Schwerpunkte (hotspots) im Fundniederschlag, die lange Tradition im Aufsuchen des Freilandplatzes auf der Alb und das anstehende Rohmaterial, wohl im Verbund mit den untergrundbildenden Plattenkalken lassen das Thema Geröllgeräte im Gegensatz zu Terassenschotterfunden in einem anderstartigen Licht erscheinen. Die geringe Bodenbildung und Erosion sorgten für entsprechende Umlagerung und leider auch Schichtzerstörung, begünstigt aber das Auffinden an der Oberfläche. Die nahegelegene Sesselfelsgrotte bietet einen Angleich an das auf der Startseite vorgestellte Material. Geröllgeräte in der Ausführung der nächsten Seite fanden sich in der Sesselfelsgrotte nicht was für eine deutlich zeitliche Trennung des Geröllgerätespektrums vom zumindest zeitlichen Geröll-Niederschlag in der Grotte spricht deren Schichtenbildung bei etwa 120 000 Jahren vor heute endet. Ein Abgleich mit den Geröllartefakten der Sesselfelsgrotte würde sich anbieten.

Plattenkalkschotter auf der Albhochfläche mit geringer Artefaktkonzentration. Möglicherweise waren die Felsplateaus einmal zugänglich und boten das darin eingelagerte Rohmaterial. Vereinzelte Plattenkalk freie Stellen innerhalb der Schotterdecke zeigen eine starke Zunahme an überwiegend mittelpaläolithischen Hornsteinartefakten.


1: Jüngstes Artefaktstück: Spätneolithischer Sicheleinsatz aus ortsfremden Plattenhornstein mit beidseitigem Cortexrest (9,4 cm). Der Fund entstammt einer Geröllschotter-Insel ohne jeglicher weiterer neolithischer Befunde.


2a: Neufund August 2010. Neolithische Messerklinge aus Plattenhornstein (12,6 cm). Etwa 100 m von der Sichelfundstelle (Bild oben) entfernt. Es fehlen bis jetzt jedoch Keramikscherben und typisch neolithisches Material. Man möchte an Verlustfunde denken könnte aber auch längst verschliffene Gräber in Betracht ziehen und die Fundstücke als repräsentative Grabbeigaben interpretieren. Zukünftig zu erwartende Funde könnten letztere Annahme vielleicht unterstützen. Besiedelungsgeschichtlich wurden die Albhochflächen zu jener Zeit eher gemieden. Ackerbau schien aufgrund der kargen, steinigen Böden als unwirtschaftlich. Der Plattenhornsteinabbau einer bekannten Stelle (Altheimer Kultur) befindet sich auf der gleichen Hochfläche in etwa 1 km Entfernung.

2b


3a: Neufund November 2010. Faustkeilmesser mit gestumpftem Rücken und abgesetzter Spitze, Quarzit (20,5 cm). Faustkeilformen mit einer schneidenden Kante und gegenüberliegender natürlich stumpfer oder stumpf behauener (wie hier) Kante (sog. Keilmesser) kommen seit dem Acheuléen vor, sind aber sehr charakteristisch für das mittelpaläolithische Micoquien und die entsprechenden Keilmessergruppen.


3b: Der Spitzenbereich zeigt sich alt gebrochen. Ausgangsmaterial bildet hier ein gröberer Abschlag mit Schlagflächenrest unten und einheitlicher hellbräunlicher Patinierung. Ventralseite rechts (Vergleich auch mit nächster Seite Abb. 93)


3c: Der retuschierte Schneidenverlauf.


3f: Der Neufund (mitte, Quarzit) im Vergleich mit ähnlich gestalteten Objekten (links Donau-Ries, Hornsteinvariante). Alle Artefakte zeigen die seitlich eingekerbte, abgesetzte Spitze (rechts Ventralseite, gleicher Fundort, Hornsteinvariante). Zeigt diese Einkerbung am Spitzenbereich eine Schäftungspartie, stellt die Spitze keinen Arbeitsbereich dar.

Frisch gewaschen: Neufunde November 2010.

3g: Hornsteinspitze (Micoquienspitze), flächig überarbeitet (5,7 cm) mit retuschierter Schneide und gewinkeltem, stumpfem Rücken entspricht es in der Handhabe einem Keilmesser, kann aber auch als Faustkeilblatt angesprochen werden.


3h


3i Micoquienspitze in Handhalte.


Micoquespitze mit gestumpftem Rücken und gebogener Schneide (Hornstein / Quarzitkomponente 5,1 cm) an einem klingenförmigen Abschlag.




3k: Bogenschaber und diverse "Spitzen" (Hornstein und Quarzit).


3l: Detail von Abb. 3k unten rechts. Hornsteinspitze mit gestumpftem Rücken (im Bild) und gegenüberliegender Schneide.


3m: Auf der nächsten Seite gelingt zunehmend eine Angleichung diverser Hornsteinartefakte an Quarzitgeräte. Gehäuft können nun auch Nasenschaber und andere Klein- und Feingeräte aus Hornstein isoliert werden. Vermutlicht korrelieren die verschiedenen Rohmaterialien in einem größeren Umfang als angenommen. Alle Gerätetypen zeigen vermindert ausgeführt auch als Quarzitkleingeräte entsprechende Gerätetypen und belegen ein weit zurückreichende Tradition oder auch das Hereinziehen einiger archaisch wirkender Quarzitgeräte in ein Mittelpaläolithikum. Einige wenige Hornsteinartefakte stehen teilweise in einem engeren Bezug zum "echten"(Geröllgerätekomplex (!?). Bis dato sind mir keine vergleichbaren Fundplätze in Bayern bekannt. Das wiederstandsfähigere Material Hornstein zeigt viellfach auch einen Wegweiser, Benutzungsspuren an Quarzit- oder Quarzgeräten nachzuspüren, was auf der nächsten Seite teilweise auch zu gelingen scheint.


3n: Kleiner Nasenschaber / Hornstein. Die Gruppe der Nasenschaber zeigt sich durchaus in einem ausgeprägten Micoquien und scheint seinen Ursprung bereits in der Gruppe der Geröllgeräte zu haben.

3q: Nasenschaber  (Hornstein) mit Seitenstumpfung.

3o: Detaiaufnahme der Nase (Bild oben).

3p: Nasenschaber aus plattigem Hornstein mit Spitzgriff-Handhalte ( 5,9 x 6,2 cm). Einseitig (rechts) nahezu vollständig entrindet.

3q: Detail der "Spitze" und Schabebucht.

3r: Die winkelförmige Handhalte am Nasenschaber


3s: Spitzgriffschaber wie diese auch in deckungsgleicher Ausführung an Quarzitartefakten einer ausgeprägteren Abschlagindustrie zu finden sind. Ob diese Artefaktgruppe bis in die Gerföllgerätefazies reicht muß offen bleiben.


3t: Langschmale, nasenartige Spitzen aus Hornstein und Quarzit stehen für eine micoquide Ausprägung des überwiegenden Fundmaterials und nehmen bereits jungpaläolithische Formen auf.


3u: Bogenschaber / Geradschaber (Hornstein).


3v Bogenschaber an Spitzgriffen (Hornstein rechts).


Halbrunder kleiner Schaber an einem Abschlag mit schräger Handhalte (Hornstein, 4,8 cm).



Ein gelegentlicher wenn auch seltener Angleich gelingt scheinbar mit Hornsteingeräten an Geröllgeräten aus Quarzit. Ob sich Hornsteinkleingerät acheuléenzeitlicher Zeitstellung unter dem Material befindet bleibt offen. Der Versuch der Angleichung bleibt gegeben...

Hornsteinartefakte aus Mauer (Reiss Engelhorn Museen / Museum Weltkulturen) In der weltberühmten Fundstelle von Mauer, in der Nähe von Heidelberg gelegen, sind neben dem Unterkiefer des Homo heidelbergensis kleine Hornsteinartefakte geborgen worden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie aus der gleich Zeit wie der Unterkiefer stammen. Insgesamt sind dreißig Stücke bekannt, darunter Kerne, unbearbeitete Abschläge, kleine Schaber, gezähnte Geräte, Spitzen, Geröllgeräte und ein Protofaustkeil. Ihre Bedeutung liegt vor allem in ihrem Alter, das um 600 000 Jahre geschätzt wird. Sie sind aber auch deswegend bedeutend, weil sie aus der Fundstelle des Homo heidelbergensis stammen. Ein Teil dieser Objekte ist in der Ausstellung "MenschenZeit" im Museum Weltkulturen zu sehen.  Mit freundlicher Genehmigung: copyright by Reiss-Engelhorn-Museen, Foto: Jean Christen.

Reiss-Engelhorn-Museen / Museum Weltkulturen - Link:

http://www.rem-mannheim.de/index.php?id=92.


Die "Heidelberger Kultur nach A. Rust, Herstellungstechnik, Typenspektrum und Funktion Themen Link: (pdf-Datei)

http://www.dirksiebers.de/seite22.htm


Bilden die Hornsteinartefakte und die hell patinierten Quarzitobjekte eine wohl weitgehnd zeitliche Einheit, kann bei einigen Hornsteingeräten nicht zwingend von einem einheitlich mousteroiden/micoquiden Charakter gesprochen werden. Viellmehr zeigen diverse Eigenheiten in der Gestalltung und Handhabe eine lange Tradition und Entwicklung. Einige der wiederstandsfähigeren Hornsteinartefakte (im Gegensatz zum Quarzit) zeigen stärkere Verrundungserscheinungen und könnten älter sein (?). Schwerpunkt stellt sicherlich mit dem Stand Mai 2011 eine mittelpaläolithische micoquide Hornstein und hell patinierte Quarzitvariante dar, welche sich auch in Übereinstimmungen zu bringen scheint. Für die "wirklichen" Geröllgeräte kann dies möglicherweise nur an traditionellen Übereinstimmungen und Entwicklungsschritten mit dem jüngeren Material gelingen. Der Artefaktcharakter der Geröllgeräte mag hierdurch Unterstüzung auf teilweise erstaunliche Weise erhalten.  Gerade das Jung- und Mittelacheuléen bietet eine schwere Ansprache in Gegenüberstellung zu einem micoquiden oder mousteroiden (tradition acheuléen) Charakter. Die Levalloistechnik erscheint im Jungacheuléen bereits voll ausgeprägt und im Umstand der Lesefundgegebenheit kaum von jüngerem Material trennbar. Die Quarzitobjekte erscheinen hier "leichter" ansprechbar und legen eine gewisse Affinität zu Fundkomplexen wie etwa Markkleeberg oder Salzgitter-Lebenstedt nahe. Letzterer soll hier kurz angesprochen werden um die Schwierigkeit der zeitlichen, augenscheinlichen Einordnung aufzuzeigen: Das Spektrum der Faustkeile reicht in Salzgitter-Lebenstedt (Niedersachsen) von gestreckten Formen über ovale und mandelförmige zu herzförmigen und keilmesserartigen. Bei den Schabern ist ein abgrenzungsloser Übergang von einfachen kantenretuschierten Stücken zu flächig überarbeiteten Abschlägen und blattförmigen, beidseitig gestalteten Geräten festzustellen. Bemerkenswert sind annähernd dreieckige, D-förmige oder trapezförmige Schaber, die durch Schärfungsschläge verdünnte Enden haben und so schon die Pradniktechnik des mittleren Mittelpaläolithikums erahnen lassen. Neben einfachen Abschlägen kennzeichnen sauber hergestellte Levalloisabschläge und -spitzen das Inventar. Das Inventar dieser Fundstelle diente G. Bosinski zur Aufstellung der "Lebenstedter Gruppe" des Jungacheuléen, die er in die Riß-(Saale-)Kaltzeit datierte. Zahlreiche naturwissenschaftliche Beiträge haben seither diese archäologische Datierung in Zweifel gezogen. Besonders die Fundlage im Niederterassenbereich (hier nicht gegeben)  und ein C14-Datum an der überstrapazierten Grenze der theoretischen Meßbarkeit lieferten den Anlaß für diese Zweifel. Beide Bedunde gelten aber nur als schwache Argumentationshilfe, da sie keinen sicheren Hinweis auf ein würm/weichelzeitliches Alter geben. Der Ausgräber A. Tode folgt jedoch den Datierungen zwischen 55 000 und 50 000 Jahren und sieht (1982) eine gewisse "Micoque"-Affinität des Inventars. Zieht man aber zum Vergleich das Inventar der Schicht VIII der Grotte Vaufrey (Rigaud 1988) heran, das ganz sicher rißzeitlich ist, so findet man dort ebenfalls schon Werkzeugformen und -techniken, die später kennzeichnend für ein viel jüngeres Mittelpaläolithikum sind. Ebenso gibt es im gut datierten Fundgut von Markkleeberg und Eythra Geräte, die mit solchen aus Lehringen vergleichbar sind (Baumann u. Mania 1983, Abb. 179-182). Ein menschlicher Schädelrest aus Lebenstedt, der von J. Hublin 1984 beschrieben wurde, unterstützt zwar nicht definitiv eine Datierung des Fundplatzes in den Saalekomplex, könnte aber mit seinen spezifischen Merkmalen auch sehr gut - wie die Homo-sapiens-Formen von Ehringsdorf - in das frühe Mittelpaläolithikum dieser Kaltzeit gehören. Sichere Belege für das präzise Alter des Lagerplatzes von Lebenstedt fanden sich jedoch bis jetzt leider nicht.


6a: Leicht verrollte Micoquespitze aus Kreidehornstein in bräunlich, ockerfarbiger Erscheinung, Levalloistechnik. Diese Hornateinvariante scheint sein Zentrum am Rand des Fundackers mit hoher "protoacheuléenzeitlicher" Artefaktkonzentration zu haben. Die heller patinierten Quarzitobjekte mehren sich südlich zur Hangkante des Altmühltals und zeigen eine nur leichte Durchsetzung mit dunkel patiniertem Material..             

 Die Zeitstellung des Micoquien / M.M.O (Moustérien mit Micoquien-Option) nach J.Richter:

Abb: Sesselfelsgrotte. Vier Inventarkomponenten des Micoquien. 1 formüberarbeitete Werkzeuge - besonders Keilmesser, Faustkeilblätter, Halbkeile und Fäustel; 2 kleinformatige Werkzeuge, "Mikrolithen" - besonders Mikro-Kratzer, Micro-Bohrer und Micro-Becs; 3 Werkzeuge der so genannten "jungpaläolithischen" Gruppe - besonders Kratzer und Stichel; 4 allgemein mittelpaläolithische Werkzeuge, besonders Einfach- und Mehrfachschaber und gekerbte und gezähnte Stücke.


Keilmesser-Gruppe / Micoquien / Altmühlgruppe (spätes Mittelpaläolithikum): Links zeigt sich eine Keilmesserversion, rechts daneben ein klingenförmiger Abschlag in blattförmiger Zurichtung (6,9 cm), Hornstein und Quarzit bzw. entsprechende Komponente. Unten links ein kleiner Hornstein-Biface neben mehreren blattspitzenartig ausgeführten "Spitzen".



Detail der blattförmigen Spitze an einem klingenförmigen Abschlag (6,9 cm) Quarzit-Hornsteinkomponente. Sind hier die Voraussetzungen zur Ansprache als Jerzmanovicespitze (Klinge dient als Grundform) gegeben?


Blattförmige Spitze aus Quarzit.


Die kleine Keilmesservariante in Handhalte.


Typologie Micoquienspitzen: Zweite Reihe links entspricht der keilmesserartigen Spitze. (Mit freundlicher Genehmigung von www.apanarcheo.nl ).


Detail einer Quarzitspitze in blattförmiger Form mit Anzeichnung der Arbeitskante (6,9 cm). Mit gestumpftem Rücken und gegenüberliegender Schneide entsprechen die Spitzen den Klausennischen-Varianten, einer nicht weit entfernt liegenden Höhlenstation. Für die Sesselfelsgrotte als auch die Klausenhöhle mag die Freilandstation einen Bezug in Punkto Rohstoffversorgung und Lebensraum darstellen.

Die Spitze in entsprechender Handhalte (schabende, heranziehende Handhalte).


Blattspitze (6,1 x 7,3 cm): Hier zeigt sich der linsenartige Hornsteineinschluss innerhalb des Quarzitmantels.

Die Blattspitze in Handhalte mit retuschierter Arbeitskante.

Die Rückenstumpfung der Handhalte an der Blattspitze.


Kleine Micoquienspitze mit gestumpfter Handhalte an der Basis (Quarzit mit Übergang zum Hornstein, 6,1 cm).


Kleine retuschierte Quarzitspitze.


Kleiner Biface / Fäustel aus Hornstein (5,8 cm).

pdf-Link: Die 14C-Daten der Sesselfelsgrotte und die Zeitstellung des Micoquien M.M.O. 

http://www.ufg.phil-fak.uni-koeln.de/fileadmin/ufg/pdf/Mitarbeiter/Richter/Sonderdrucke/2002/Richter2002b.pdf


Die Geschichte verbindet, viel früher schon! Mit Dank für Bild und Info an die holländische Seite!

Thema Keilmesser und vieles mehr...

http://www.apanarcheo.nl/


Blattspitze aus Quarzit in leichter Verrundungserscheinung (9,6 cm). Helle Linie enstpricht der Arbeitskante, rot die Stumpfungsseite.

Aufsicht auf die retuschierte Schneide (links) und unterhalb, nach rechts beginender Stumpfung. Bikonkaver Querschnitt.


Stumpfung im Handhaltebereich-Bogen.


Der vorgestellte "blattspitzenartige Schaber" (rechts) im Vergleich mit dem weiter unten aufgeführten Spitzschaber (Neufund Nov. 2010) in etwas dickerer (plan-konkaver) Ausführung. Die helle Linie markiert den retuschierten Arbeitsbereich.


Micoquienspitze - Bosinski 1967 blz 48. (hier in blattförmiger Ausprägung). (Mit freundlicher Genehmigung von www.apanarcheo.nl ).


Auswertungseinheit Ze, (Zeitlarn / Regensburg) Illustration der Drehsymmetrie bei Blattspitzen (vgl. RICHTER 1997; 1=starke Retusche, 2=schwache Retusche, A=Symmetrieachse). Aus Micoquien, Aurignacien und Gravettien in Bayern / Eine regionale Studie zum Übergang vom Mittel zum Jungpaläolithikum.


Ganz in der Tradition Spitze und Keilmesser erscheint das bereits vorgestellte Objekt aus einer Quarzit/Hornsteinkomponente  (12,5 cm) Die Ansprache als acheuléenzeitliches Artefakt scheint mir hinfällig... Deutlich zeigen sich die quarzitären,  fleckigen Einschlüsse.

Gestumpfter Rücken und gegenüberliegende Schneide.

Überlegung und kleines Fazit:

Die richtige Handhabe zeigt sich bei diesem Keil (entgegen der kleineren Abbildungen oben) bei Ablage der gebogenen Spitze in den Handballen. Dieses immer wieder auftretende Element zwingt mich zu der Vermutung nahezu alle in der Abschlagtechnik gefertigten sog. Spitzgriffschaber der nächsten Seite in ein Mittelpaläolithikum zu stellen. Diese Gerätschaften zeigen sich als relativ gering kantenverrundet und weniger patiniert. Diese Geräte können vom eigentlichen Geröllgerätekomplex  (zu welchem sie technisch ohnehin nicht gehören) gelöst werden. In dieser Fragestellung ergeben sich einige Probleme und schier unlösbare Aufgabenstellungen, welche durch reine Oberflächenaufsammlung ohne Schichtzuordnung nicht lösbar scheinen. Der Zeitraum zwichen einem möglichen Alt- / oder Protoacheuléen und einem späten Mittelpaläolithikum ist gigantisch, mit zeitlich nur grob oder nicht einzuordnenden Artefakten durchmengt. Beachtenswert scheint mir jedoch auch zunehmend die Rohstoffmassierung bestimmter Gesteine tendenziös zu einigen zeitlichen Schwerpunkten hin. Hellere (patinierte) Quarzitvarianten stimmen mit den Hornsteinobjekten überein. Quarzit mit Hornsteinlinsen scheint gezielt (im späten Mittelpaläolithikum) abgebaut worden zu sein um den Bereich dieser Linsen zu nutzen der Quarzit tritt deutlich dunkler in Erscheinung. Für Geröllgeräte trifft der Umstand der Hornsteinverarbeitung scheinbar nur äußerst selten in Kraft. Bei den den "echten" Geröllgeräten aus dunkel patiniertem Quarzit und jenen mit Übergängen zum Hornstein scheint es sich um verschiedene Quarzitvarietäten zu handeln. Die Neufunde vom Mai 2011 entstammen einer relativ kleinen Fläche neben dem Hauptfundacker am Waldrand. Die mir nur als Wiese bekannte Fläche wurde als Maisfeld angelegt und ist gänzlich mit Plattenkalkschotter übersät. Einzig eine nahezu Kalkplatten freie Stelle von etwa 50m im Radius am Waldrand ergab üppiges Fundmaterial mit auffallend

vielen Spitzen, Abschlägen usw. Das trockene Wetter und der steinige, ungünstige Boden lies den Mais verkümmern und ergab optimale Lesebedingungen. Auffallend war das nahezu ausschließliche Vorkommen der Quarzit - Hornsteinkomponente. Geröllgeräte welche nur außerhalb der Schotterfläche massiv vorkommen (etwa 100 m entfernt) fehlten gänzlich. Möglicherweise spiegeln sich Abbautätigkeiten und vor Ort vollzogene Arbeitsschritte spiegelbildlich an der Oberfläche wieder und lassen Rückschluß auf den geologischen Untergrund zu. Große scheinbar unbearbeitete, etwa gut 50 kg schwere dunkle Quarzitbrocken fanden sich an der Oberfläche durch den Pflug herausgezogen. Die isolierte Lage innerhalb der Plattenschotterfläche sorgte möglicherweise für eine nur geringe Vermischung mit anderstzeitlichen Artefakten. Ein Abgleich des Fundmaterials mit dem Bestand des Sesselfelsgrotten-Inventars würde sich anbieten und könnte bisher unbekannte Rohmaterialquellen für jenen Fundplatz erschließen. Quarzitgeräte aus der nur unweit entfernt liegenden Fundgrotte könnten zum Abgleich dienen bzw. auch die Geröllgeräte in ihrer Stellung sichern helfen, da jene offensichtlich dort nicht in dieser Art und Erscheinung vorkommen jedoch vorhanden sind und die Schichtentiefe in der Sesselfelsgrotte bei 
120 000 J.v.h in etwa endet.

Die Finger umgreifen den oberen Dorn und bilden einen sicheren Griff. Ein Umstand der selbst bei chopperartigen Geräte auftritt und auf der nächsten Seite entsprechend vorgestellt werden. Die gebogene Spitze schmiegt sich regelrecht an den Handballen. Die flache Schneidenseite liegt bei Gebrauch unten, die Retusche scheint richtig plaziert (hier ist event.eine Nachschärfung mit etwas hellerer Patinierung erfolgt).

Das rote Rechteck bezeichnet die hohe Geröllgerätekonzentration zunehmend nach rechts. Der gelbe Kreis zeigt die Stelle der höchsten Hornsteinkonzentration auf. Der rote Kreis oben rechts markiert die neue Fundstelle mit Hornstein / Quarzit Komponenete innerhalb eines Plattenkalkschotterfeldes zum Waldrand hin (zahlreiche Keilmesser, blattspitzenartige Geräte, keine Geröllgeräte) welches auch auf dem Foto leicht durchschimmert. Der blaue Pfeil zeigt die Richtung der verrundeten Hornsteinartefaktkonzentration an (auf der letzten Seite teilweise vorgestellt). Dunkles Rechteck mit heller Quarzitvariante und anderen Gesteinen. Die helle Linie im roten Rechteck markiert 50 m.

Plattenkalkschotterinseln (dunkler Kreis) und Fundkonzentrationen mit Hornsteinartefakten des Mittelpaläolithikums in Zwischenräumen.

Inseln aus Plattenkalkschotter mit Blick in Richtung Altmühltal.

Schematische Darstellung:
"Tendenzbarometer"
Zuordnungsversuch eines Artefaktfundstückes unter Berücksichtigung von Material, Erscheinung, Form und Zustand. Aufgezeigt werden soll lediglich der umfassende zeitliche Bereich im Mittelfeld welcher den Verzahnungsbereich eines älteren Micoquien / Moustérien mit einem Jüngeren / mittleren Acheuléen beherbergt. Für den wohl größten Umfang an Oberflächenfunden mag eine grobe Stellung nur innerhalb dieses schwer definierbaren Zeitrahmens möglich sein. Rechts zeigt sich (gelb) die Hornsteinkonzentration und die helle Quarzit (-Brekzien) Variante (rot) im späten Mittelpaläolithikum. Grün zeigt sich die Geröllgerätefazies mit Schwerpunkt nach links ("echte" Geröllgeräte, stark verrundet und

krustiniert). in einem Alt-/Protoacheuleen mit Abbevill / Clacton Charakter.


7a: Klingenförmiger Abschlag mit Spitzenzurichtung.

7b: An der Spitzklinge zeigt sich deutlich der eingekerbte Bereich unterhalb der abgesetzten Spitze.


8: Spitzklinge (etwa 7 cm).


9: Quarzitklinge mit dreieckigem Querschnitt (10,5 cm).


Artefaktfundstelle mit hoher Konzentration des gelbbraunen Hornsteins (Produktionsabfälle und Geräte).


10: Langschmale, nasenartige Spitze in vorwegnahme jungpaläolithischer Tradition.


Kleinförmige Werkzeuge als Bestandteil eines Micoquien M.M.O.

11: Mikrospitze.  


12: Mikrospitze


13: Mikrokratzer


Sesselfelsgrotte: Bohrer, retuschierte Levalloisabschläge u. div. Mikrogeräte (Mittelpaläolithikum).


14: Kleinstgeräte aus Quarzit bleiben selten. Kleines bohrerartiges Artefaktstück, (etwa 2,5 cm).


15a: Rückengestumpfter Kratzer in Handlage.

15b: Die Rückenstumpfung zeigt sich im konkaven, die Arbeitsfläche im konvexen Bereich (Dorsalseite).


Relativ fundleerer Plattenkalkschotter begrenzt die mittelpaläolithischen Fundpunkte. Am Horizont erscheint die zweite Schotterfläche mit davor befindlicher artefaktführender Fläche.


Klingenförmiger, hellerer Quarzitabschlag in Fundlage.


16a: Bogenschaber in Handlage (Hornsteinvariante) mit La-Quina Retusche. (Sesselfelsgrotte U-Schichten-Komplex U-A04, Charentien Typ Quina vor der Zeitgrenze 70 000 B.P .


16b: Schaber aus Hornstein.


17: Stichel aus Hornstein (vorne, 8,5 cm) und zwei Quarzitklingen (Mitte: Moustierspitze ).


18a: Der Hornstein-Stichel


18b: Altgebrochene Stichelspitze im feuergeröteten Bereich.


18c


Stichelartige Spitze oder Spitzschaber aus Quarzit.




Stichelartiges Gerät, Hornsteinvariante (ca. 7 cm).




Diverse "Spitzen", fächerförmiger konkaver Bogenkratzer (vorne links). Gebänderte Levallois-Spitze aus einer Quarzit-Brekzie (siehe hierzu auch unter Geologie: Meteoritentheorie "Brekzie in Brekzie")


Der fächerförmige Kratzer (Spitzgriff) unmittelbar nach seiner Bergung und in gereinigtem Zustand.


Quarzit-Faustkeil (oben rechts) und diverse "Spitzen", dunkler erscheinen die Hornsteinartefakte.


Ein  stichelartiges Gerät links (Zinken) und eine Keilmesservariante mit stielartig verlängerter Handhalte aus Quarzit in heller Patinierung.


Keilmesser mit zungenförmiger Handhalte, hell patiniert, Quarzit (Mittelpaläolithikum).


Neufunde Mai 2011: Diverse Keilmessertypen micoquider Art.


Keilmesser in micoquider Ausführung (Hornstein, 8,5 cm).




Keilmesservariante aus Quarzit.


Keilmesser mit abgestzter Schneide (Quarzit).


Fluch und Segen: Vorderes Objekt wurde als Artefakt angezweifelt weil gänzlich jedes Merkmal fehlt. Lediglich der gestumpfte Rücken und die fischartige Kontur legten artifizielles Vorgehen nahe. Das neu gefundene hintere Keilmesser entspricht in der Formgebung dem stark angewitterten und in seinen Feinheiten verwischten Objekt. Eindeutiges kann also durchaus zweideutiges auf die richtige Seite ziehen. Gleichzeitig gilt die Überlegung: Was alt aussieht muß nicht alt sein! Es muß zumindest nicht automatisch, zwingend, nur aufgrund der Patinierung und Verwitterung einer älteren Stufe (Acheuléen) zugeordnet werden. Beispielhaft zeigt sich jedoch auch wozu formtypologische Angleichung fähig sein kann. Durch die offensichtlich starke zeitliche Vermischung können verschiedene Artefakttypen (wie die Spitzgriffschaber der nächsten Seite) zeitlich nach vorne (jünger) oder hinten (älter) gezogen werden. Offen bleibt die Frage wie lange ein bestimmter Werkzeugtyp nahezu unverändert oder nur leicht abgewandelt im Formenbestand traditionell verbleibt. Der Fluch besteht also in einen gefährlichen Zuordnungswahn zu verfallen der sich rein auf den äußeren Zustand bezieht. Gleichzeitig kann es aber auch einen deutlichen zeitlichen Trennungszeitpunkt darstellen. Ist eine zunehmendes klimatisches Ereigniss (Kältemaximum innerhalb der letzten Eiszeit) für den Zustand und beispielsweise die Krustinationsauflage verantwortlich? Der Segen zeigt sich gelegentlich in der unterstützenden Funktion von erstellten Serien mit deutlichen und undeutlichen Merkmalen eines Werkzeugtyps in verschiedenen Erhaltungszuständen. Die sog. "echten" Geröllgeräte (welche in ihrer Herstelungsweise und dem Ausgangsmaterial tatsächlich jener Kulturstufe entsprechen) scheinen jedoch relativ geschlossen, einheitlich ihren meist chopperartigen Karakter zu behalten. Auf einer Hochfläche zeigt sich diese Artefaktgruppe nahezu einheitlich ohne Vermischung mit mittelpaläolithischen Artefakten. Auf dem Hauptfundplatz bleibt ebenfalls ein stark konzentrierter Punkt erhalten, überschneidet sich jedoch mit direkt anliegenden jüngeren hotspots. Innerhalb der neuen Fundfläche im Plattenkalkschotter fand sich kein einziges chopperartiges Gerät, jedoch genügend Quarzitschaber u. a. Quarzitgeräte in dunkleren Varietäten ohne jedoch die entsprechend starken Verrundungserscheinungen aufzuzeigen.

Entsprechend richtig ausgerichtet zeigen beide Keilmesser die abgesetzte Schneide. Am Griffende zeigt sich am Gerät oben der Schlagflächenrest. Die dunklere Variante weist einen Schlagpunkt auf (sie Bild unten).


Schlagflächenrest (oben) am hellen Quarzitkeilmesser und verfüllter (Krustination) Schlagpunkt am dunkel patinierten Objekt.


Ein eher steil geführte Retusche am dunklen Artefakt.




Zwei Keilmesser aus Quarzit (oben 11,3 cm).








Quarzitkeilmesser im Angleich mit einem formgleichen Objekt aus Hornstein (11,2 cm).




Beidseitig überarbeitetes Keilmesser aus Quarzit (7,5 cm).




Keilmesservariante aus Quarzit (8,7 cm).




Keilmesservariante mit kurzwinkeligem Handhalteansatz rechts am Heck (Quarzit 8,1 cm).


Schneide rechts, Handhaltebereich links.




Keilmesser aus Quarzit mit typischer Fingerablage und Abnutzungserscheinungen (buchtförmig) an der Schneide.


Obiges Keilmesser aus einem Quarzitabschlag.




Keilmesservariationen, Micoquekeil (oben) und Font-Robert-Spitze (mitte).


Auswertungseinheit Ze (Zeitlarn / Regensburg). Anhand der Breiten-, Längen- und Dickenmaße vermutete Verwandschaftsbeziehungen zwischen formüberarbeiteten Werkeugformen. (Aus Micoquien, Aurigancien und Gravettien in Bayern).


Dem Prinzip der Keilmesser folgt auch jenes Objekt mit Handhalte und Schneide. Anfangs als Pic (wegen der spitzen, konkaven Handhalte) beim Auffinden interpretiert, zeigte sich nach der Reinigung die grob retuschierte Schneide am winkelig zulaufenden Arbeitsbereich. Aus einem Quarzitgeröllstück gefertigt.


Der besondere Umstand und das mögliche Link zu älteren in der Tradition stehenden Gerätschaften zeigt die starke Kantenverrollung und die extrem anhaftenden Krustinationsreste welche von hier ab bis zu den "echten" Geröllgeräten nahezu alle Artefakten kennzeichnet. Prinzipiell könnte das Artefaktstück als Geröllgerät angesprochen werden, ob es zeitlich in die entsprechende Stellung zu setzen ist bleibt offen. Formtypologisch entspricht es nicht den bekannten Geröllgerätevarianten (Typentabelle auf der nächsten Seite). Entwicklungsbedingt dürfte es vielleicht bereits ein Acheuléen erfassen oder sich im Verzahnungsbereich eines älteren Micoquiens / Moustériens mit einem jüngeren Acheuléen befinden. Unten rechts zeigt sich die stielartig, gekappte Handhalte.


Detail der grob retuschierten, welligen Schneide.


Das Keilmesser in der Handhalte mit Fingerablage auf dem Rücken und stielartig, gekapptem Griffstück im Handballen.


Diverse Spitzen und Klingen der mittelpaläolithischen Abschlagsindustrie gleichen sich dem Hornsteinmaterial weitgehend an und sprechen für eine überwiegend micoquide / moustéroide Zeitstellung.


Klingenförmige Abschläge der helleren Quarzitvariante.


Diverse Klingen aus Hornstein (bis 11 cm).


Levalloisklinge (Hornstein, 8,5 cm).


Vierkantiger Abschlag mit Spitze (Geschoßspitze mit Schäftungsschräge hinten), Hornstein, 6,8 cm.



Retuschierte Spitze an einem Abschlag (6,7 cm / Hornstein oder Feinquarzit).


Verschiedene Kratzervariationen aus Hornstein (bis etwa 6 cm).


Angleich von Artefakten aus Hornstein (links) und Quarzit.


Buchtschaber finden sich immer wieder aus allen Materialien...




...und folgen dem gleichen Prinzip.




Diverses Material der Neufunde Mai 2011. Beschädigtes Keilmesser links.


Bohrerartiger, kleiner "Stichel" aus Quarzit der helleren Variante (5,5 cm).





Bohrerartige Stichel einer bekannten moustérienzeitlichen Artefaktfundstelle bei Harburg / Nördlinger Ries. Die Artefakte werden mit etwa 50 000 Jahre v. h. veranschlagt (Hornsteinvariante).


Kleines bohrerartiges Gerät aus Hornstein.


Geborgenes Material (Hornstein).


Spitzschaber (blattförmig) aus Hornstein (Neufund November 2010), 10,2 cm.


Detailansicht des Spitzschabers. Allseitig gestumpft zeigt die gerade Kante (rechts) die eigentliche Schneide. Rindenreste oben im Handhaltebereich.


Spitzschaber/Micoquespitze an einem Abschlag (Neufund 2010), Hornsteinvariante, 6,7 cm.


In der Rubrik Altpaläolithikum wird unter "Spitze ist nicht gleich Spitze" die Handhalte mit Spitzenlage im Handballen dargestellt. Auch am hier gezeigten Objekt scheint diese Handhabe sinnvoll. Die Finger umgreifen hierbei den gestumpften Rückenwinkel. Die eigentliche Spitze liegt auf dem Daumenballen. Zum Heranziehen bei Schabevorgängen scheint diese Handhalte geeignet. Die der retuschierten Schneide gegenüberliegende Seite zeigt zudem, die bei den stark verrundeten altpaläolithischen Vergleichsstücken konkav gebogene Spitzenseite (hier direkt auf dem Daumenballen). In dieser Gestalltungsart scheint die Ansprache der Speerspitze als eher unwahrscheinlich.


Faustkeil oder Halbkeil aus Quarzit (10,2 x 8,5 cm). Für den am Seitenanfang gezeigten Faustkeil in heller Patinierung wurde aus Fachkreisen gelegentlich eine acheuléenzeitliche Zeitstellung angenommen. Die länger gezogene Form mag dafür sprechen, es kann sich jedoch auch um eine materialbedingte Eigenheit handeln. Mittlerweile möchte ich diesen Faustkeil nach Angleichung des Materials Hornstein / Quarzit als Micoquekeil bezeichnen. Der hier abgebildete Halbkeil würde die gedrungenere, mousteroide Variante darstellen. Er ist aber noch erheblich dick bei einer bereits ausgearbeiteteren Spitze. Die relativ flachen, herzförmigen Faustkeile (Silex/Hornstein) des Mittelpaläolithikums sind mit diesem Material kaum oder gar nicht zu erreichen. Möglicherweise handelt es sich auch um ein Endprodukt ohne Schneide- Arbeitskante mit lediglich ausgearbeiteter Spitze. Eine Handhalte mit Umfassung des unteren Bogens (Rindenrest) mittels Handballen, lässt einen Spitzengebrauch als möglich erscheinen.


Kleiner Faustkeil (ca. 9 cm) mit schmaler Spitze und natürlichem Rindenrest im Handhaltebereich, Quarzit.


Faustkeilartige Artefakte an Abschlägen.


Detail: Faustkeilartiger Abschlag/Spitze, triangulär mit einer gestumpften und gegenüberliegend retuschierter Seite. Quarzit (9,5 cm).


Mit Hornsteinartefakten durchsetzter, ausgepflügter Lößlehm der Albüberdeckung.


Rückengestumpfter Bogenschaber aus Hornstein mit welligem Kantenverlauf (alternierender Retusche).


Levallois-Spitze (hellere Hornstein-Variante) von einer mit Geröllgeräten durchsetzten, inselartigen Schotterfläche. Mittelpaläolithische Einzelfunde sind immer wieder im Verbund mit acheuléenzeitlichen Gerätschaften anzutreffen. Haben beide Menschenformen (h.erectus/heidelbergensis und  h. neanderthalensis) die gleichen Rohmaterialquellen aufgesucht? Erscheinen mittelpaläolithsche Funde mit 50 000 bis 40 000 Jahren vor heute noch gering verrollt, kann die Verrundung und Verschleifung nach 400 000 bis vielleicht 800 000 Jahren nicht verwundern. Blickte der Neandertaler bereits auf die Altmühl, sah homo heidelbergensis noch die Urdonau mit Waldelefanten und warmzeitlichen Tieren im gleichen Talgrund. Überstanden die Werkzeuge des Neandertalers in ihrer Erhaltung die letzte Eiszeit, hatten jene des h. heidelbergensis bereits zwei Eiszeitkomplexe, zumindestens teilweise überdauert. Alte Rohkerne und Geräte konnten vom Neandertaler als Rohstoffquelle genutzt werden um damit gleichzeitig die Menge der ältesten Artefakte, mit hingehend stark zu dezimieren. Einige der frischeren, helleren Bruch- und Abschlagflächen an ansonsten dunkel patiniertem Rohmaterial (Kerne, Polyeder etc.) lassen sich so teilweise erklären.


Beispiel für unterschiedliche Patinierung an einem bohrerartigen Gerät (Hornsteinvariante) wie es für ein Moustérien typisch erscheinen mag. Ein eventuell älterer Abschlag wurde im vorderen Bereich überarbeitet und erscheint heller, fast schon frisch geschlagen.


Harburg (Donau-Ries) Mittelpaläolithische Freilandfundstelle mit Verweis auf ältere Artefakte:

Überwiegend mousteroide Kleingeräteindustrie aus der Umgebung von Harburg / Donau-Ries. Die Artefakte erscheinen einheitlich patiniert. Nach oben hin zeichnet sich eine jungpaläolithische Klingenindustrie mit hellerer Patinierung und  zunehmend klingenförmiger Formgebung ab. Unten erscheint überwiegend eine spät mittelpaläolithische Levallois-Technik (etwa 50 000 J.v.h.).


Harburg / Donau-Ries: Mittelpaläolithischer Abbaukern (links) und jungpaläolithischer bipolarer Klingenkern (rechts) der Freilandfundstelle (Beide Hornstein, rechts etwa 11,5 x 11,0 cm bei 1424 g) belegen den deutlichen Unterschied der entsprechenden Kulturstufen im Rohmaterialabbau.


Nicht nur das jener altbekannte Fundplatz am Rande des Rieskraters allgemein als mittelpaläolitischer Schlagplatz gewertet wird und der jungpaläolithische Niederschlag offensichtlich völlig unbeachtet blieb, bietet sich auch in die andere Richtung ein interessanter Aspekt: Quarzitgeröll mit facettierter Spitze welche in der Formgebung entweder mittelpaläolithisch, sporadisch aufgegriffen wurde, oder tatsächlich auf eine ältere Zeitstellung verweist. Ein Hausneubau brachte oberhalb des Fundhanges einige völlig anderstartige, wenige Abschläge und Gerätschaften umfassende Fazies aus dem anzulegenden Keller und dessen Aushub ans Tageslicht (Anfang 90er Jahre). Auch hier konnten erst mehrjährige Begehungen des Fundplatzes andere Charaktere erschließen (siehe auch nächste Seite Abbildung 61, 62).



Harburg / Donau-Ries: Dunkel patinierte einfache retuschierte Abschläge (mit dorsalen Rindenresten), zwei Geröllkappen (links 6,1 cm) mit Retusche und zwei kleine einfache Kratzer (Hornstein).


Harburg / Donau-Ries: Geröllchopper (Chopping-tool) aus dem Kelleraushub mit beidseitig geschlagener Seite und gekapptem Heck.

Harburg / Donau-Ries: Detail des Geröllchoppers (Hornstein, etwa 8,2 cm).


Harburg / Donau-Ries: Retuschierter Rindenabschlag und kleiner Kratzer (Hornstein).


Harburg / Donau-Ries: Keilmesser aus der Freilandfundfläche (Hornstein, etwa 7,0 cm) mit gestumpftem Rücken. Moustérienzeitlich.

weiter auf der Albhochfläche:

Faustkeilblatt aus Plattenhornstein (12,0 cm).

Faustkeilblatt mit jeweils wechselseitigem Seitenzuschlag zur Spitze hin (Neufund November 2010), Quarzit (12,4 cm).

Obernederhöhle, Auswertungseinheit Ob-1 breites Faustkeilblatt (9,5 cm).


Levallois-Abschläge (Hornstein).


Schlagstein in idealer Handhalte und Detail des Schlagnarbenfeldes (Hornstein).

Der zapfenartige Dorn bietet eine ideale Handhalte. Deutlich werden die facettierten Flächen mit den Schlagnarben im Kantenbereich erkennbar.


Verschiedene "Spitzen" und Abschläge der Levallois-Produktion (oben rechts: kleiner Faustkeil aus Quarzit).


Geländeausschnitt mit zahlreichen Hornsteinabschlägen. In der Bildmitte am unteren Rand ist deutlich ein klingenförmiger Abschlag zu erkennen.


Kleine segmentförmige Spitze in Fundlage.


Sesselfelsgrotte: Querprofil

Sesselfelsgrotte:Querprofil  Rot = G-Schichten-Komplex der Sesselfelsgrotte enthält die umfangreichste Abfolge spät mittelpaläolithischer  bifazieller Inventare (Micoquien, Keilmessergruppen) in Mitteleuropa. Diese ermöglicht es, Gliederung und Zeitstellung des Micoquien und dessen Verhälnis zum Mousterién einer Revision zu unterziehen. Demnach gehört das mitteleruropäische Micoquien an das Ende des Mittelpaläolithikums zwischen 55 000 und  45 000 Jahren vor heute.   E-3 unterhalb des sog. "Rinnen" (Ausräumungserscheinung die oberhalb ein Aurignacien zerstörte und ein Gravettien beginnen läßt) beherbergt ein spätes Mittelpaläolithikum mit mousteroidem Charakter. F-Schicht darunter zeigt sich fundleer. Rot der G-Schichten Komplex (G-A01-A13) innerhalb einer gemäßigten Phase zwischen beiden Kältemaximen (im Bereich H die G-Schichten 12 u 13.


Die Zeitstellung des Micoquien / M.M.O.

Schematische Stratigraphie der Sesselfelsgrotte im Altmühltal / Niederbayern. Die Vignetten bezeichnen das erste Auftreten des Mammuts in Schicht M und den archäologisch fundleeren "Nagerhorizont" in Schicht K / L innerhalb des 1. Kältemaximums OIS 4 mit 10 000 Jahren Dauer. Linke Spalt: Invenatrkürzel für die Unteren Schichten (U-) bestehend aus einem Moustérien Typique (U-A01-03), Charentien Typ Quina (U-A04), Charentien Typ Ferrassie (U-A05-06) und einem kleingerätigen Moustérien (U-A07-08) mit insg. also 8 Inventar-Schichten u. etwa 10 000 Artefakten (ältere Keilmessergruppe vor 70 000 B.P.). Der G-Schichten-Komplex (G-) mit 13  Inventar-Schichten und insg. etwa 85 000 Artefakten bezeichnet die jüngere Keilmessergruppe M.M.O. Micoquien Charakter vor dem 2. Kältemaximum. 


Ein Schwerpunkt der auf der Startseite vorgestellten Artefakte im späten Mittelpaläolithikum (Zahlenangaben in Jahrtausend). Das Farbspektrum deutet die kulturellen Verbindungswege an. Blauer Punkt = homo neanderthalensis, roter Punkt = homo sapiens.


Kleingerät in Fundlage


Diverse Kleingeräte.


Abbaukern aus Quarzitbrekzie mit fleckigem Füllmaterial (unten links)welcher die Scherben des eigentlichen helleren Quarzits wieder verkittet. (Ein Hinweis auf den Riesimpact und der damit einhergehden Gesteinszerüttung? Hierzu letzte Seite: Geologie).

Verbackene Quarzittsplitter der Brekzie an einem Restkern. Das Rohmaterial bildet die Grundlage einer wohl überwiegend mittelpaläolithischen Fazie. Bei der Werkzeugherstellung wurde versucht das bessere, hellere Material als Arbeitsbereich für Schneiden zu nutzen um das gröbere Füllmaterial allenfalls im Griffbereich der Geräte erscheinen zu lassen (hier entsteht fälschlicherweise der Eindruck eines Rindenrestes am helleren Quarzitrohstoff). Das Vorkommen von Kernen und großen Abschlägen dieser Zusammensetzung ist gewaltig und zeigt alle Abbaustufen der Produktion. Das Material selbst sorgt für eine hohe Anzahl verworfener, aufgegebener Kerne mit einer entsprechend gigantischen Menge an nicht nutzbaren Abschlägen der Präparation. Es bilden sich zwei augenscheinliche Zentren jenseits der Geröllgerätefundfläche ohne diese wirklich massiv zu überlagern.


Quarzit Restkern (Non-Levallois) in der helleren Quarzitvariante.


Abbaukern in der dunkleren Quarzitvariante. In dieser Varietät beherbergt er gelegentlich Hornsteinlinsen.


Für das Jungpaläolithikum wichtig werdende Artefakttypen treten bereits im Micocquien auf:



Zwei kleinere Stichel mit Stichelbahnen zeigen sich rechts. Ob diese bereits in ein Jungpaläolithikum zu stellen sind bleibt fraglich und spricht event. auch für eine spät mittelpaläoloitische Zeitstellung.


Ein Kielstichel deutet neben anderen Kleingeräten ein Jungpaläolithikum an gleicher Stelle an, tritt aber auch bereits in einem späten Mittelpaläolithikum auf.


Nasenkratzer (etwa 8 cm)




Königsbach-Stein / Baden Württemberg  (Aurignacien-Freilandstation). Retuschierte Formen: 1 Kielkratzer 6 Nasenkratzer 2-5,7-10 Kiel-, Bogen- und Querstichel.


Anfang 2010 gelang der Neufund einer Stielspitze vom Typ Font-Robert.  Für die gravettzeitliche Geschoßspitze darf möglicherweise bereits die Speerschleuder vorausgesetzt werden.


Font-Robert-Spitze (5,7 cm) aus Salching, Kr. Straubing-Bogen (Kat.-Nr.33) aus Micoquien, Aurignacien u. Gravettien in Bayern.


Speerschleuderhaken und geschäftete Stielspitze (Rekonstruktion).


Die Stielspitze im Vergleich mit einer Swiderien-Spitze aus der Nordsee bei Husum / Norddeutschland.


link zum Thema Sesselfelsgrotte:

http://www.uf.uni-erlangen.de/projekte/sesselfelsgrotte/sesselfelsgrotte.htm